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Bläsermusik mit interessanten „Ausflügen“

Jahresschlusskonzerte mit breitem Spektrum


Eine Beschäftigung mit Musik ohne stilistische oder besetzungstechnische Scheuklappen dokumentierten auch heuer wieder die beiden Jahresschlusskonzerte der Stadtkapelle Buchloe bzw. der Stadtjugendkapelle Buchloe unter Leitung ihres inspirierenden Dirigenten Michael Werner. Zugleich konnte man bei dieser Gelegenheit – zweimal spielten die Musiker vor annähernd ausverkauften Stuhlreihen – die modernisierte Mittelschulaula bereits eine Woche vor ihrer offiziellen Eröffnung im neuen Gewand auf ihre Konzerttauglichkeit testen. Um es vorwegzunehmen: Das Ergebnis konnte sich sehen und hören lassen – in vorwiegend zurückhaltendem Weiß gehalten und mit neuer Zwischendecke präsentiert sich die Aula optisch größer und akustisch funktional. Die auf der neuen Konzertbühne platzierten Musiker – Akteuren und Publikum wird unter den neuen Gegebenheiten ein Platztausch verordnet, der zum Beispiel auch Zu-spät-kommer weniger stören lässt - sind jetzt flacher in der Ebene angeordnet, was von den „Hinterbänkler“- Registern hier und da etwas mehr dynamischen Einsatz erfordert.

Zu Beginn gehörte die Bühne dem Nachwuchs: Unterstützt von „großen“ Musikern, zeigte sich die Stadtjugendkapelle gut disponiert. In „Sagen eines fernen Sterns“, einem Musterstück in A-B-A-Form von Naoya Wada, kitzelte Werner erfolgreich griffig die Akzente aus dem Schlagzeug und tiefen Blech heraus und ließ im Mittelteil das Holz zu respektabler Kantilene erblühen. Knackig, spannungsgeladen und natürlich angemessen sonnenbebrillt kam ein „Mission Impossible“- Arrangement über die Rampe, bevor sich die Nachwuchsmusiker mit „Schöne Urlaubszeit“ aus der Abteilung Unterhaltungsmusik engagiert verabschiedeten.

Die Stadtkapelle hatte für ihren Konzertanteil mit der „Appalachen Ouvertüre“ von James Barnes einen ebenfalls kraftvoll-impulsgeladenen Aufmacher gewählt, in dem man Wildwest-Idiome von der großen, Abenteuer verheißenden Linie bis zur zarten Holzbläser-Romantik am Lagerfeuer genüsslich auskostete. Ebenso zugkräftig, wenn auch von der Harmonik her eher archaisierend gehalten – schließlich dient ein Ereignis aus dem 15. Jahrhundert als „Programm“ - auch die „Schlacht bei Varlar“ von Rob Goorhuis, in der martialische Signale im (tiefen) Blech zusammen mit dem Schlagwerkregister gehörig Budenzauber veranstalteten oder – wie es Moderatorin Sylvia Götzfried ausdrückte – eine nette kleine Auseinandersetzung mit den Hölzern anzettelten.

Gefordert war die Stadtkapelle in einem „Dschungelbuch“-Arrangement von Marcel Peeters: Es ist immer ein Risiko, wenn das Publikum die Melodien nur allzu gut kennt – zum überwiegenden Teil trafen die Musiker stilsicher, überzeugend und dicht die Klangatmosphäre des Film-Soundtracks, lediglich in „Seid zur Freundschaft bereit“ waren kleinere Irritationen spürbar.

Nach Marsch- und Polkaklängen als Hommage ans traditionelle Blasmusikfach räumte man in der zweiten Konzerthälfte dem Gesang breiten Raum ein: „Ich gehör nur mir“ aus dem „Elisabeth“-Musical entwickelte sich in der samtigen und ausdrucksstarken, gut verständlichen und auch in der Höhe tragenden Interpretation von Stefanie Bachlehner zu einem echten Höhepunkts des Abends. Gefühlvoll und einen Hauch sentimental, vom Timbre her gut miteinander harmonierend, sangen anschließend Stefanie Bachlehner und Monika Trieb „The Rose“ von Amanda McBroom.

Einen völligen stilistischen Richtungswechsel nahm man danach mit „Funk Attack“ vor: ein rhythmisch höchst suggestives Stück von Otto M. Schwarz, absolut nichts für Fußwippabstinenzler und auch optisch ein Vergnügen, Michael Werner bei der Arbeit zuzuschauen. „Highland Cathedral“ als eine Art reduzierte Version des „Bolero“, gekreuzt mit reichlich Folk-Pathos und die Fendrich-Nummer „Weu´sd a Herz hast wia a Bergwerk“ (nochmals Bachlehner sowie Franz Lang) als bewusst einzige Zugabe mit Gitarren (Michael Werner/Sylvia Götzfried) rundeten ein vielseitiges Programm ab.

Lucia Buch

 
 
 
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